Less We Have Seen Andre Hemstedt Tine Reimer Stefan Ostermeier Brand Eins

 Less We Have Seen Andre Hemstedt Tine Reimer Stefan Ostermeier Brand Eins

 

Das deutsche Fotografenduo We Have Seen – bestehend aus André Hemstedt und Tine Reimer – schafft präzise-inszenierte Bildwelten von Momenten zwischen Bewegung und Stillstand. Neben ihren freien Arbeiten fotografieren sie für ausgesuchte Modefirmen und Magazine wie Iris von Arnim, SPEX und brand eins. Stefan Ostermeier, Fotoredakteur bei brand eins, sprach mit den Fotografen über ihre Arbeitsweise, die eigene Bildsprache und ihre Arbeit für Less.

 

 

Less We Have Seen Andre Hemstedt Tine Reimer Stefan Ostermeier Brand Eins

 

 

 

Stefan Ostermeier: Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Euch?
We Have Seen: Das Arbeiten zu zweit funktioniert so, dass wir uns vor jedem Job darüber einigen, wohin wir wollen. Wir haben eine große Sammlung von allen möglichen visuellen Eindrücken: Malerei, Videomaterial, Fotografie – Material, das wir gut finden. Bei der Recherche filtern wir all das heraus, das für uns mit dem Job zu tun hat. Daraus entwickeln wir Ideen für Bilder und Lichtstimmungen. Dann testen wir die Bilder, die wir machen wollen, indem wir uns gegenseitig fotografieren. Wir simulieren die Bildstrecke. Und wenn wir draußen arbeiten, fahren wir vorher zur Location und suchen uns die Plätze, an denen wir fotografieren wollen.

 

Die eigentliche Arbeit ist also schon vor dem Auftrag gelaufen.
Im Prinzip, ja. Wir sind dadurch ziemlich schnell am Produktionstag, wir müssen nicht lange überlegen.

 

Klappt das bei jedem Projekt?
Fast immer. Bei redaktionellen Aufträgen schauen wir erst einmal ohne den Protagonisten, wo wir die geplanten Motive umsetzen können. Wenn es eine spezielle Lichtidee gibt, testen wir diese zuvor im Studio. Es gibt also meistens eine genaue Vorstellung dessen, was wir wollen. Redaktionelles Arbeiten erfordert aber auch immer Spontanität.

 

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Wie fällt die Entscheidung, wer von Euch bei einer Reportage fotografiert?
Wir merken, wer von uns in einem bestimmten Moment die Fotos machen sollte. Und manchmal fotografieren wir auch parallel aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Häufig macht derjenige, der die Aufmerksamkeit des Porträtierten hat, gar nicht das entscheidende Bild, sondern der andere. Es ist gut, mit vier Augen zu schauen und immer jemanden zu haben, mit dem man am Ende die Bilder auswählt. Das ist ein großer Vorteil. Andererseits werden wir aber auch nur bezahlt wie ein einzelner Fotograf. Das ist nicht besonders wirtschaftlich, aber diese Art der Zusammenarbeit ist für uns wunderbar.

 

Auf Eurer Webseite gibt es eine erkennbare Bildsprache – trotz verschiedener Kunden.
In den meisten Fällen werden wir aufgrund unserer fotografischen Herangehensweise gebucht. Deshalb klappt es gut, unsere Bildsprache aus den freien Arbeiten auch in unseren Jobs fortzuführen. Charakteristisch für unsere Arbeit ist das komplette Programm: von der Idee bis zur Bildstrecke. Da steckt keine Werbeagentur dahinter, die sich etwas ausgedacht hat, sondern wir machen das alles selbst oder in enger Zusammenarbeit.

 

Lehnt Ihr Kunden ab?
Das ist schon öfter vorgekommen, z.B. wenn wir merken, dass wir uns für einen Job zu sehr verbiegen müssen. Dann schlagen wir in der Regel befreundete Fotografen vor, die wir für die Umsetzung als geeigneter ansehen.

 

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Ihr arbeitet viel in Schwarzweiß.
Das ergibt sich aus unserem Anspruch der Reduktion. Selbst wenn wir in Farbe arbeiten, ist häufig ein hoher Anteil an Nichtfarben dabei. Wir würden nur dann anders fotografieren, wenn es thematisch um Farben ginge.

 

Arbeitet Ihr noch analog?
Nein.

 

Wie wichtig ist die Nachbearbeitung? Wann entsteht das Bild?
Wir arbeiten schon beim Fotografieren präzise und achten darauf, dass Bildbearbeitung das Ergebnis nicht dominiert.

 

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Hattet Ihr freie Hand bei der Arbeit an den Bildern für Less?
David Scherf, der Gründer von Less, hatte eine Vorstellung, die wir gemeinsam mit ihm weiterentwickelt haben. Die Bildsprache sollte reduziert und analytisch sein.

 

Wo habt Ihr fotografiert? Manche Aufnahmen sehen aus, als seien sie im Ausland gemacht worden.
Der Eindruck täuscht: Wir haben die Strecke in den Boberger Dünen am Rande Hamburgs fotografiert. In den Motiven findet sich allerdings kein definierter Ort wieder, die Bilder könnten auch irgendwo am Meer entstanden sein.

 

Wo arbeitet Ihr lieber, im Studio oder draußen?
Es hält sich die Waage, und wir mögen beides. Draußen arbeitet man freier, muss mit den Gegebenheiten umgehen. Im Studio musst du alles erschaffen. Bei Less ging es darum, Innen- und Außenaufnahmen zu verbinden. Beide Sphären sollten ästhetisch ineinander übergehen.